Öffnungszeiten kommunaler Jugendfreizeiteinrichungen

Im Juni hatte ich das Bezirksamt Lichtenberg in einer Kleinen Anfrage um Informationen bezüglich der Öffnungszeiten kommunaler Jugendfreizeiteinrichtungen gebeten. Hier die Fragen und Antworten:

1.) Wer legt die Öffnungszeiten kommunaler Jugendfreizeiteinrichtungen fest und nach welchen Kriterien erfolgt dies? 

Die Öffnungszeiten der kommunalen Jugendfreizeiteinrichtungen orientieren sich an den Bedarfen der Kinder und Jugendlichen, die diese Einrichtungen besuchen. Der Bedarf wird jährlich durch Nutzerbefragungen ermittelt. Die Öffnungszeiten werden in den jährlich stattfindenden Wirksamkeitsdialogen überprüft und ggf. angepasst. Die Öffnungszeiten sind Bestandteil der Zielvereinbarungen zwischen dem Jugendamt und den Einrichtungen.

2.) Wie sind die Öffnungszeiten der vier kommunalen Jugendfreizeiteinrichtungen in Lichtenberg im Vergleich, sowohl in Bezug auf die Öffnungszeiten in der Woche als auch am Wochenende? 

Die kommunalen Einrichtungen sind im Schwerpunkt und je nach Hauptzielgruppe Montag bis Freitag ab Schulschluss in den Grundschulen bis max. 21:00 Uhr geöffnet. In dieser Zeit findet durchgängig das zentrale Angebot der „Offenen Tür“ statt, welches sehr beziehungs- und personalintensiv ist. Darüber hinaus nutzen Grundschulen mindestens ein bis zweimal monatlich für gemeinsame Workshops und Schulprojekte die Angebote der kommunalen Jugendfreizeiteinrichtungen im Vormittagsbereich. Die Wochenendöffnungen sind  zielgruppenbezogen unterschiedlich  und saison- und angebotsabhängig. In den Wintermonaten ist der Bedarf an einer Wochenendöffnung höher als in den Sommermonaten. Veranstaltungen und Konzerte finden in der Regel an den Wochenenden statt. In den Ferien haben die kommunalen Einrichtungen meistens bereits vormittags geöffnet. Es gab bisher in den kommunalen Einrichtungen keine urlaubsbedingten Schließzeiten.

In zwei Jugendfreizeiteinrichtungen wurde bereits die Zielvereinbarung des Bezirkes zur Erreichung der Personalsollstärke umgesetzt. Diese zwei Einrichtungen haben keine personellen Ressourcen mehr, um eine regelmäßige Wochenendöffnungszeit zu gewährleisten.

3.) Liegt dem Jugendamt eine Übersicht der Öffnungszeiten aller Jugendfreizeiteinrichtungen vor? Wenn ja, bitte beilegen. Wenn nicht, auf welche Weise vergleicht das Jugendamt als fachliche Aufsicht der Jugendfreizeiteinrichtungen die zeitliche Strukturierung der Angebote?

In den Leistungsverträgen werden im § 3 Abs. 3 die Anzahl der Öffnungstage je Woche vereinbart und im Rahmen des Wirksamkeitsdialogs erfasst. Die konkreten Öffnungszeiten sollen bedarfsgerecht gestaltet sein und sind mit dem Jugendamt abzustimmen. Grundlage für die Abstimmungen bieten die Konzeptionen der Einrichtungen. Die Öffnungszeit muss in Korrelation zu den vereinbarten Angebotsstunden stehen. Der Träger ist verpflichtet, seine Öffnungszeiten regelmäßig dem Jugendamt mitzuteilen und auf seiner Homepage aktuell zu halten.  Nach den aktuellen Leistungsverträgen haben zwei Einrichtungen freier Träger 5,5 Tage, eine Einrichtung 6 Tage, eine Einrichtung 4 Tage je Woche geöffnet. Alle anderen Einrichtungen sind 5 Tage je Woche für die Kinder und Jugendlichen da. Eine gesonderte aktuelle Erfassung der Wochenendöffnung würde eine gesonderte Abfrage erfordern, deren Aufwand den Rahmen einer kleinen Anfrage übersteigen würde. Ohnehin kann jeweils nur eine Momentaussage gegeben werden, da die Öffnungszeiten laufend z. B. in Abhängigkeit von bestimmten Projekten, Ferienzeiten oder auch bei Ausfallzeiten von Fachkräften angepasst werden. Planmäßige Schließzeiten (z. B. in den Ferien) sind in der regionalen Arbeitsgemeinschaft abzustimmen, damit auch in den Ferien Angebote zur Verfügung stehen. Die Träger reagieren in den Ferien, aber auch bei Krankheit und Schwangerschaften bedarfsgerecht und flexibel mit ihren Öffnungszeiten. Das Gleiche gilt für die kommunalen Jugendfreizeiteinrichtungen.

Ein Vergleich der Angebote erfolgt nicht in Bezug auf die zeitliche Strukturierung. Der Fokus der Fachaufsicht liegt auf dem für die jeweilige Einrichtung erstellten Konzept unter dem Aspekt der sozialräumlichen Ausrichtung und dessen Umsetzung. Die Einrichtungen sind in ihrer Ausrichtung sehr unterschiedlich, z. B. in Bezug auf:

  • die Altersgruppe (Kinder und/oder Jugendliche),
  • die Lage der Einrichtung (z.B. im unmittelbaren Umfeld von Schulen),
  • die Raum- und Gebäudesituation (Größe, Freiflächen),
  • das soziostrukturelle Umfeld,
  • die pädagogische Grundausrichtung (z. B. Sport, Kreativangebote, Musikorientierung, Veranstaltungstätigkeit)

4.) Welche Unterschiede stellt das Jugendamt zwischen den Öffnungszeiten kommunaler und privater Jugendfreizeiteinrichtungen in Lichtenberg fest und wie bewertet es diese Unterschiede?

Systematische Unterschiede zwischen Einrichtungen in kommunaler und freier Trägerschaft werden nicht beobachtet. Im Verhältnis zur jeweiligen Ausstattung mit festangestelltem Fachpersonal sind auch die Öffnungszeiten ähnlich.  Ansonsten gilt das unter 3. Beschriebene.

Die Beantwortung der Fragen 5. und 6. erfolgt zusammengefasst:

5.) Teilt das Bezirksamt die Auffassung des Fragestellers, dass Jugendfreizeiteinrichtungen auch am Wochenende regelmäßige und umfangreiche Angebote bereitstellen sollten?

6.) Was unternimmt das Bezirksamt dafür, dass sowohl kommunale Jugendfreizeit-einrichtungen als auch jene in freier Trägerschaft am Wochenende Angebote vorhalten bzw. ausbauen?

Es gilt der Grundsatz, dass der Einsatz der verfügbaren Ressourcen (insbesondere Personal) an den Bedarfen ausgerichtet werden soll. Es geht dabei um bedarfsgerechte Prioritätenentscheidungen. Eine Öffnung an Wochenenden hat dabei gegenüber der Öffnung an Werktagen nicht per se Priorität, sondern ist unter den zu Frage 3 genannten Kriterien jeweils abzuwägen. Die Träger und Projekte, stimmen dies mit dem Jugendamt ab und entscheiden dann, was umgesetzt werden kann und soll. Daraus ergeben sich auch die Entscheidungen zu den jeweiligen Öffnungszeiten.

Zu beachten ist dabei auch, dass Eltern an den Wochenenden mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können und möchten. Dies ist für unterschiedliche Zielgruppen allerdings sehr differenziert zu betrachten. In bestimmten Zusammenhängen ist es ausdrücklich erwünscht, Eltern mehr in die Verantwortung der Wochenendgestaltung ihrer Kinder zu nehmen. In diesen Fällen wird auf eine Wochenendöffnung bewusst verzichtet.

Das Jugendamt geht davon aus, dass die Einrichtungen nicht ohne zusätzliches Personal und entsprechende Finanzmittel regelmäßig und umfangreich Angebote am Wochenende vorhalten können.

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